Handel weltweit...


Brief von Hamburg nach Canton 1860 Rarität: Brief-Ganzsache von Romberg & Watty via Marseille nach Canton, 9. Mai 1860

Köpfe...


Johannes Georg Watty Johannes Georg Watty, Haupt = Collecteur der Stadt-Lotterie, ab 1832 Geldwechsler und Bankier

Herrmann Alexis Watty Herrmann Alexis Watty, Handelsherr, Bankier und Reeder

Carl Friedrich Robert Watty Carl Friedrich Robert Watty, Kaufmann und Verfasser der 1. Familien-Genealogie

seemännisches...


History: Die Handelsreisen
Daten: Hamburger Bark JUNO
Daten: Hamburger Bark MIRANDA

Kapitän T.R.F. Karlowa
T.R.F. Karlowa, Kapitän der 'Miranda' von 1868-1870, Aufnahme ca. 1883/86


1 Hamburger Fuß = 286 mm
1 CL (Commerzlast = Gewichtsmass) = 6000 Pfund,
der durchschnittliche Umrechnungswert für Segelschiffe ist:
1CL x 2,18 entspricht NRT (Nettoregistertonne = Raummaß).
Für Dampfschiffe galt dementgegen BRT (Bruttoregister-Tonnage).
Hamburger Schiffe wurden wie folgt vermessen:
Länge über Oberdeck zwischen den Steven, Breite an der breitesten Stelle innenbords, Höhe vom Kiel bis zum Deck an der Ladeluke.

Quellen


  • Walter Kresse, Hamburg's Seeschiffregister 1824-88, 1969, Museum für Hamburgische Geschichte
  • Pawlik, Von der Weser in die Welt, Deutsches Schiffahrtsmuseum Bre - merhaven
  • Hamburgs- Handel und Verkehr, Export-Handbuch der Börsenhalle, Commerzbibliothek Hamburg
  • Hamburgs Adressbücher 1809-1880, Staatsarchiv Hamburg
  • Die hamburgische Familie Watty, CFR Watty 1925, Selbstverlag
  • Whitney Smith, Fahnen und Flaggen - Zeichen der Völker, 1976
  • Hamburgs Reeder, Staatsarchiv HH
  • Schiffahrtsmuseum Brake/ Unter- weser
  • Akten des 'Wasserschout' Hamburg, Staatsarchiv HH, Sign. 373-1

Hanseatische Handelsherrn, Reeder, Bankiers

Die Kaufleute und Reeder - Ein Überblick


Neben der traditionsreichen Goldschmiedegeschichte der Familie Watty ist ein weiterer gewichtiger Betätigungszweig der des Hanseatischen Kaufmannes gewesen. Waren es in zweiter Generation noch hauptsächlich Perückenmacher und Haarfrisierer, so wie es der Vater Joseph Watty vorgelebt hatte, beginnt in der 3. Generation die Betätigung im Handel.

Johannes Georg Watty's Sohn Hermann Alexis übernimmt das väterliche Unternehmen (Haupt-Collecte der Hamb. Stadt-Lotterie, Geldwechsel, Bankhaus), sein jüngerer Bruder Carl Richard betätigt sich von Beginn an als Kaufmann. Ab etwa 1850 betreibt er mit einem Partner Im- und Export-Geschäfte unter der Firmierung Romberg et Watty, seit mindesten 1854 auch ein Bankhaus. Das Comptoir befindet sich für die folgenden 8 Jahre unter der Firmenanschrift seines älteren Bruders 'Alterwall No. 48'. Von 1860-1880 im 'Plan 5'. Von da an finden wir die Handelsgesellschaft an der 'Holzbrücke 5 - Entresol'. Sie ist an der Hamburger Börse notiert und hat ihren Börsenstand in der Glashalle vor Pfeiler 38. Nach dem Tode C.R. Watty's im Jahre 1897 führt E.A. Romberg im 'Grosse Burstah 48' die Geschäfte fort, bis die Gesellschaft am 2.12.1919 aus dem Hamburger Handelsregister gelöscht wird. Nach dem Export-Handbuch der Börsenhalle 1897-1899 betätigt sich die Firma im Export nach Nordamerika und Ostindien - nach einem belgischen Standardwerk auch nach Brasilien - und handelt hauptsächlich mit Schiffsausrüstungen, Proviant und Rohprodukten.



Kontorflagge Reederei Watty Die Brüder betätigen sich gemeinsam von 1856-1870 z.B. auch als Reeder. Im Zuge des seinerzeit blühenden und sehr profitablen Handels mit Ostindien und China gründen sie die

------ Reederei H.A. & C.R. Watty ------


Wie auf dem Kapitänsbild der Bark 'Miranda' (s.u.) dargestellt, entschied man sich bei der Kontor-(Reederei-)flagge für heute sehr bekannte Farben: Schwarz-Rot-Gold mit weissem Schriftzug im roten Band (leider auf dem Bild nicht entzifferbar). Sie orientierte sich offenbar an der Handelsflagge, wie sie 1848 von der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche festgelegt wurde. Dies galt jedoch nur bis 1849 - die Reichsflotte führte die Farben auf Kriegsschiffen bis zur Auflösung 1852. Ob man die Farben als Symbol der republikanisch-revolutionären und antimonarchischen Einstellung, wie sie in Deutschland verbreitet war, wählte - oder aus ganz anderen Gründen - konnte bisher nicht ermittelt werden...



Am 22. Mai 1856 kaufen sie von der Bremer Reederei Dransfeld & Cordes die unter Bremer Flagge segelnde Brigg 'Fortuna' und bringen sie unter dem neuen Namen "Prospero" und eigener Flagge in die Ostindien-Fahrt.
Handelsbrigg Prospero der Reederei WattyDie Brigg (zweimastiger, an beiden Masten Rah- und zusätzlich am achterlichen Mast noch besangetakelter Segler) wurde 1851 auf der Oltmann-Werft in Motzen/ Weser gebaut. Sie war mit 88 CL (Commerzlasten, entspricht etwa 191,8 NRT) vermessen, zwischen den Steven in Hamburgischen Fuß 96.10 lang, 23.10 breit und hatte eine Höhe von 13.3 zwischen Kiel und Ladeluke (entspricht metrisch: 27.46 x 6.61 x 3.80). In der Mitte des 19. Jahrhunderts war dieser Schiffstyp an deutschen Küsten der verbreitetste Handelsschifftyp und absolut hochseetauglich und wurde auch für die Grosse Fahrt eingesetzt.

Abb.: (Die Hamburger Handels-Brigg "Prospero" in der Bali-Strasse vor der Ijen-Raung-Vulkankette, Fort Utrecht und Banyuwangi passierend - Öl auf Canvas, Fred Watty, 2010)

Der Neubau des Schiffes kostete zu jener Zeit 8350 Oldenburger Thaler Gold - der erste Kapitän der 'Fortuna', Chr. Ludw. Habbert, war zu einem Viertel beteiligt. Im Jahr 1856 geht die "Prospero" unter Kapitän J.P.C.C. Möller mit einer Besatzung von etwa 10 Mann auf ihre erste und letzte Reise für die Reederei Watty. Sie segelt von Hamburg nach Soerabaya auf Jawa um 1859 über mehre Zwischenhäfen Bangkok in Thailand zu erreichen. Dort wird das Schiff samt Ladung an den britischen Reeder G.W. Johnstone aus Ipswich verkauft und segelt fortan unter dem Namen 'Elizabeth & Mary Ann' unter englischer Flagge. 1866 schliesslich geht das Schiff verloren.



Während die "Prospero" auf grosser Fahrt ist, kaufen die Reeder ein weiteres Schiff.Handelsschiff Bark JUNO der Reederei Watty Am 18.6.1857 erwerben sie von der Reederei H.C. Bock in Hamburg die Dreimast-Bark "Juno" Ex 'Die Krone' (Pillau), die bisher in der Südamerika-Fahrt eingesetzt war und deren letzte Reise sie von HH nach Acapulco/ Mexiko und über weitere Zwischenhäfen zur La Plata-Mündung und zurück nach HH geführt hatte. Von 1857-1861 fährt sie unter dem Kapitän H.L.Tell in der Englandfahrt. Zielhäfen von Hamburg aus sind Liverpool und London. Die "Juno" war mit 131 CL vermessen (etwa 285,6 NRT), zwischen den Steven 114 x 27.5 x 15.3 Hamburgische Fuss gross (entspricht metrisch: 32.6 x 7.87 x 4.38).
Abb.: (Die Hamburger Bark "Juno", Rekonstruktion, Mischtechnik auf Papier, Fred Watty, 2010)
Als Bark ist sie an 2 Masten Rah-, am achterlichen Mast nur besangetakelt. Gebaut wurde sie 1852 auf der Eggert-Werft in Königsberg. 1861 übernimmt Kapitän L. Eckmann das Schiff für eine Südamerikareise von HH über das englische Newcastle/ upon Tyne, die das Schiff weiter über Rio de Janeiro 1862 wieder nach Hamburg führt. Die nächste Reise unter Kapitän Eckmann geht im selben Jahr von Hamburg aus nach Sunderland an der nordengl. Ostküste und weiter mit Zwischenhäfen nach Rangun in Birma und weiter bis nach China. Schiffsmeldungen der örtlichen Presse berichten, daß die 'Juno' am 27.8.1863 Foo Chow (Fúzhou shì/ China, gegenüber der Insel Formosa) verlassen hat und am 5. Dezember 1863 in der Hobson Bay (Melbourne Reede/ Australien) vor Anker ging. Von Sài Gòn (Saigon - heute: Ho-Chi-Minh-Stadt/ Vietnam), damals unter französischer Kolonialherrschaft (Cochinchina) kommend läuft sie am 9. November 1864 das britische Singapur an, um in der Werft Schäden beseitigen zu lassen. 1866 schließlich läuft sie wieder in Hamburg ein. 1867 kauft sie die Altonaer Reederei Jan Tecker Gayen.

Bereits 1859 erwarben die Reeder Watty ihr drittes Schiff. Die Steenken-Werft in Brake-Fünfhausen/ Unterweser hatte unter Ihrem Chef, dem Schiffbaumeister Leonhard Friedr. Paulsen auf eigene Rechnung eine Bark im 'Wesertyp' (Weiterentwicklung amerik. Halbklipper) auf Kiel gelegt, die unter dem Baunamen 'Eugenie'(?) vermessen wurde. Die "Miranda", wie sie von den neuen Eignern getauft wurde, war mit 120 CL (etwa 261,6 NRT) angegeben, zwischen den Steven 123 x 23.9 x 14.5 hbg. Fuß gross (entspricht metrisch: 35.2 x 6.84 x 4.15), und mit dem Längen-Breiten-Verhältnis von 5.15:1 ein schnelles Schiff, das mit relativ kleiner Mannschaft von 12 Mann auskam. Nach dem Stapellauf im November 1859 wird das Schiff am 2.12.1859 übergeben, unter Kapitän P. Zybrantz ausgerüstet und geht anschliessend auf Ostindienfahrt. Im Fernen Osten übernimmt 1860 der ehemalige Kapitän der "Prospero", J.P.C.C. Möller, das Schiff und kommandiert es während der folgenden 5-jährigen Reise über Hongkong (seit 1841 brit., Freihandelszone), Handelsschiff Bark Miranda der Reederei WattyWhampoa (Kanton)/China und weiteren Zwischenhäfen nach Schiedam (Rotterdam) bis zur Ankunft in Hamburg 1865. In den Jahren 1865/66 folgt eine Südamerikafahrt nach Rio de Janeiro, die über Zwischenhäfen und New York zurück nach Hamburg führt. Kapitän auf dieser Reise ist H.F. Ausborn, unter dem auch die folgende Reise im selben Jahr beginnt. Sie führt das Schiff wiederum von Hamburg nach Südamerika, jedoch an die Westküste nach Callao (Hafenstadt Limas) in Peru. 1867 übernimmt J.P.C.C. Möller wiederum das Kommando von Hamburg bis zum Freihafen Punta Arenas in der Magellan-Strasse (Süd-Chile/Patagonien) und zurück nach Hamburg.

(Abb.: Kapitänsbild der Bark "Miranda" 1867/68, Künstler unbekannt, nicht signiert. Quelle: Klaus Möller, Hamburg - Nachfahre des Kapitäns J.P.C.C. Möller)

Unter diesem beginnt auch die letzte Reise unter der Flagge der Reederei Watty. Diese sollte 3 Jahre (1867-1870) dauern und das Schiff zunächst von Hamburg nach Hongkong führen. Auf der Weiterfahrt Modell der Bark MIRANDA der Reederei Wattynach Shanghai verstirbt der Kapitän am 24.8.1868, sein 1. Steuermann Karlowa übernimmt das Kommando und wird am 14.9.1868 in Shanghai offiziell zum Capitain ernannt. Das Schiff pendelt die kommenden 2 Jahre zwischen chinesischen, vietnamesischen und japanischen Häfen, um 1870 über Honolulu/ Hawaii und Baker Island in Polynesien - wo es eine Ladung Guano aufnimmt - nach Hamburg zurückzukehren, wo es am 23. Juli 1870 wieder einläuft. Kapitän T.R.F. Karlowa, geb. 1844 in Braunschweig und Absolvent der Hamburger Navigations-Schule, umsegelte also bereits mit 26 Jahren auf seinem 1. Kommando die Welt und Cap Hoorn - ein junger Cap Hoornier. Er fuhr später sein Leben lang für die HAPAG und starb 1913 in Voßloch (Kreis Pinneberg, Schleswig-Holstein).

Am 15.12. wird die "Miranda" an den Kapitänseigner Friedrich Wilh. Franz Alex. Meyer, Pinneberg verkauft und am 23. Dez. 1870 übergeben. Sie segelte nun unter Hamburger Flagge und dem Namen 'Hermine' unter dem Kommando des Eigners Meyer selbst und unternahm von 1871-1874 eine Reise nach Rio de Janeiro und Santos (Sao Paulo/ Brazil) und weitere Zwischenhäfen zurück nach Altona. Meyer veräussert schliesslich sein einziges Schiff 1874 an die 'Visby Skibsrederi' nach Schweden. Es erhält den Namen "Gotland". 1890 übernimmt die Reederei Eckmann ins Oscarsham die Bark. Sie fährt nun unter dem Kommando des Kapitän Ideström. 1895 schliesslich wird sie mit einer Ladung Kohlen auf einer Reise in der Nordsee als verschollen gemeldet.

Epilog

Mit dem Jahr 1870 enden die Reederei-Aktivitäten der Watty's, die wirkliche Shakespeare-Freunde gewesen sein müssen - alle Schiffe sind nach Figuren aus dessen letztem Werk, "Der Sturm", benannt. Ein konkreter Grund ist nicht bekannt, doch ist anzunehmen, dass die verstärkt aufkommende Dampfschiffahrt und die zunehmenden regulären Packet-Fahrt-Linien - u.a. durch den 1869 eröffneten Suez-Kanal - den Betrieb einer eigenen Segelschiff-Reederei unrentabel werden liess. Zudem war die Gefahr für deutsche Schiffe in Ostindien - wo man sich geschäftlich stark engagiert hatte - groß, durch dort stationierte französischen Marineeinheiten aufgebracht zu werden, denn 1870/71 tobte der deutsch-französische Krieg in Europa. Die Kaufmannstätigkeit nach guter Hamburger Sitte wird jedoch noch über Generationen fortgesetzt ...

Beruf: Hamburger Kaufmann - einträglich und manchmal (lebens)gefährlich...

Mit Johannes Georg Watty beginnt eine erfolgreiche Tätigkeit im Hamburger Handel. Er gründet J.G. Watty & Co. und sorgt mit seiner Tätigkeit als einer von 6 Haupt-Collecteuren der Hamburgischen Stadt-Lotterie für Geldeinnahmen, die die Stadt auch für soziale Zwecke verwendet. 1832 wird er Geldwechsler. Diese sorgen dafür, dass fremde Währungen in Hamburger Marck Courant oder Marck Banco eingetauscht werden können und für den 'kleinen' Geldverkehr zwischen Handelspartnern, die kein Konto bei der gleichen Bank unterhielten. Später wird er in englischen Handels-Handbüchern als Bankier geführt. Er war Freimaurer in der Loge 'Vom Rothen Adler'.

Seine Witwe und seine Söhne mehrten den Wohlstand nach Kräften. Zu den Geldgeschäften kam der Handel hinzu. Ein Hamburger Kaufmann war nicht nur ein Händler - der Hanseatische Kaufmann handelte stets im grossen Massstab, für den Einzelhandel 'en detail' war der Kramer da. So schickte man nicht nur Schiffe um die Welt, sondern auch die eigenen Söhne...
Die Passagierlisten belegen einen lebhaften Reiseverkehr unserer Vorfahren. Zu ihren Handelsnieder-lassungen oder zu Geschäftspartnern in Mittel-, Süd- und Nordamerika, aber auch nach Australien und Westafrika. Nicht selten bedeutete dies Opfer.
Abkömmlinge der Hamburger Kaufleute lassen ihr Leben auf fernen Handelsstationen - in Lagos, West-Afrika - auf Haiti - auf der Reise nach Adelaide in Südaustralien - auf einer Hacienda in Uruguay. Andere lernen für's Leben am La Plata oder in Chile, der mexikanische Familienzweig gründet sich auf einen Hamburger Kaufmannssohn... sein Bruder, eigentlich naturalisierter Amerikaner, mischt im mexikanischen Bürgerkrieg mit und spielt 1914 eine Rolle in der provisorischen Regierung des Antonio Villarreal.

Das Kaufmanns-Gen manifestiert sich nicht nur in der Kaufmannschaft. Die Goldschmiedetradition kann nur über Generationen bestehen, weil der Kunsthandwerker geschickt im Niedergang des Handwerks bereits Mitte des 19. Jhdt. den Weg in den Handel mit Juwelen, Gold- und Silberwaren findet und das Geschäft durch zusätzliche Handelstätigkeit über schwierige Zeiten rettete.

Natürlich nahmen die Kaufleute auch Einfluss auf die Politik. Carl Richard Watty z.B. war auch Mitglied der Bürgerschaft, Hamburger Militärkommissar, Richter am Niedergericht und Handelsrichter. Andererseits auch Kunstsammler und -mäzen. Teile seiner Sammlung schenkte er der Hamburger Kunsthalle. Der größte Teil wurde allerdings nach seinem Tod 1897 in einer grossen Auktion 1904 im Frankfurter Auktionshaus Bangel versteigert.