WATTY|Juweliere, Gold- und Silberschmiede

Dokumentation zur Handwerks-Geschichte 1743-1958 - soeben erschienen - ISBN 978-3-940895-88-2


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Die Meister- und Händlermarken

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Marke IHW 1756
Johan Henrich Watty
Marke von 1822-1845 1822 - 1845
Joachim Heinrich Watty
& Wwe. (bis 1852)
Marke von 1853 ab 1853
Johann Heinrich Watty
Marke von 1857-1869 ab 1857
Johann Heinrich Watty
Marke ca. 1880 ca. 1880
Marke ca. 1900 ca. 1900
Johann Jacob Heinrich Watty
Marke 20. Jhdt. 20. Jhdt.
Johann Heinrich Watty
Signet 1842-1855

Signet auf einem Etui (Juweliere, Stubbenhuk 41, ca. 1842/43-1852)
Marke 20. Jhdt.
Ehrenpreis und Silbermedaille bei der Großen Hamburger Handels- und Industrieausstellung 1889


Hinter St. Petri 'Hinter St. Petri' 1837 - Hier wurde die Fa. J.H. Watty & Sohn in der No 88, Parterre, a.D. 1822 gegründet


Speersort 6 'Speersort 6' 1878 - Seit 1853 das neue Domizil, nachdem das Geschäft in der Gr. Johannisstrasse im Großen Stadtbrand von 1842 vernichtet wurde.


Speersort 6 Die Ladenfront im 1911 am Speersort neu errichteten 'Watty-Haus' im Jahre 1929
Speersort 6
und das Gebäude im Jahre 2002 [ mehr info...]


Bergstrasse 1934 kehrt das Geschäft an seinen Gründungsort in die Bergstrasse (früher: Hinter St. Peter) zurück, 1944/45 wird es ausgebombt...

Das Goldschmiede-Handwerk seit 1743

Ein Überblick

Von Anbeginn an war die Ausübung des Goldschmiedehandwerks in der Familie die traditionsreichste Tätigkeit. Bereits der 1726 geborene Sohn des deutschen Stammvaters, Johan Henrich Watty, trat 16jährig im Jahre 1743 als Lehrling in die Werkstätte des Hamburger Meisters Jacob Barthels ein. Er lernte dort 6 Jahre bis 1749 und wurde dann ausgeschrieben. Er beantragte 1754 ein Privilegium für St. Georg, welches ihm am 5. Juni 1754 auch erteilt wurde...

Unten die Abschrift im Amtsbuch von St. Georg. Das Privilegium wurde wahrscheinlich nicht mehr von dem Bürgermeister Cornelius Poppe, sondern von dem Bürgermeister Conrad Widow Lt. Zweiter Patronus zu St. Georg, ausgestellt.

Goldschmiede-Privilegium von 1754

 

Transkription | Privilegium für J.H. Watty wegen der Goldschmieds Arbeit.

Nach dehm der Achtbahre und kunsterfahrene Johan Henrich Watty mir von dem hiesigen Amthe Meister dem Ehrb. Jacob Barthels unter den 5ten abgewichenen Monaths May ein schriftliches Zeugnüß dahin gebracht, dass Er 6 Jahre bey Ihm, um die Goldschmiede-Kunst zu lehrnen, und zwar ehrlich und treu gedienet, anbey üm ein Privilegium wie sein Vorweser es gehabt, Ansuchung gethan, um kraft darzu habender wohl hergebrachten Befugnis, Ich ihm in Gewährung solch seines Angelegentlichen Gesuchs nicht entgehen mögen:
Als conferiere mittelst diesem dem Achtbahren und kunsterfahrenen Johan Henrich Watty von Amts halber die Freyheit solcher zu Folge, von nun an, dass so lange er leben und in St. Georg wohnen wird, er allda in Gold und Silber zu arbeiten, des Endes auch so viele Gesellen als nöthig zu halten, und einen sonstigen Gold=
Pag:218.
Goldschmiede-Meister gleich, einen oder mehrere Jungen auszulehren, ohne jemandes Beeinträchtigung allerdings berechtigt sein solle; jedoch das Gegentheil bey Verlust dieser Freyheit er zu aller Zeit tüchtige gute Arbeit nach der Hamburger-Probe und wie es bei dem hiesigen Goldschmiede Ammte gebräuchlich ist, anfertigen, nicht weniger vor allen Unterschleif sich ernsten Fleißes hüten, und übrigens mit Anlegung einer Schenke, von welcherley Art dieselbe auch seyn könnte, sich niehmahlen befassen müße.
Deßen zur Urkund und Nachachtung ist gegenwärtiges dem Goldschmiede-Meister Johan Henrich Watty ertheilte Privilegium von mir eigenhändig unterschrieben worden.
Hamburg, d.5. Juni 1754

Aus der Vorstadt St. Georg kommt er nach Hamburg, wird hier am 26. März 1756 Bürger ( Bürge: Hans Jacob Wehncke, er zahlt 40 Marck Courant Bürgergeld p.A.) und am 12. April 1756 in das Amt der Goldschmiede aufgenommen. Er führte die Marke IHW.

Heute noch erhaltene Arbeiten:

Klingelbeutel 2 Klingelbeutelfassungen in der Rellinger Kirche (Schleswig-Holstein, Kreis Pinneberg bei Hamburg). Angefertigt 1756 als Auftragsarbeit des Sächsischen Grafen Otto Carl von Callenberg (1686-1759), seit 1717 Dänischer Untertan und Hofmarschall des Dänischen Königs und Landdrost im Pinnebergischen. Die Klingelbeutel wurden neben einer Loge als Ausstattung des 1754 - 1756 neu errichteten Kirchenbaues in Rellingen gestiftet. Die umlaufende Inschrift auf den Kollektebeuteln lautet: In Honorem Dei. Otto Carl Comte a Callenberg Ad 1756 den 18. July

HenkelkorbSilberner Henkelkorb (zwischen 1756 u. 1761)
Dies ist die zweite, erst im Jahre 2009 bekannt gewordene, noch erhaltene Arbeit des Meisters. Sie wird hier erstmals publiziert. Das fein gearbeitete Stück mit Rocaille-Füßen, 15,5cm, matt geätztem (defektem) Glaseinsatz und umlegbarem, Ast-reliefiertem Henkel, ging im Dezember 2009 in einer Auktion auf Schloss Hagenburg am Steinhuder Meer in Privatbesitz über.

(Abb. rechts mit frdl. Genehmigung des Auktionshauses)

Johan Henrich Watty war bis 1761/62 Meister des Hamburger Amtes der Goldschmiede. Am 27. Juli 1761 verkaufte er auf einer Versammlung des Amtes zu St. Nicolai Kirchensaal sein Meister-Amt an den Goldschmied Johann Conrad Otersen, welcher auch seinen Lehrjungen, den am 25. April 1759 aufgenommenen Peter Hinrichsen, Sohn des Altonaer Bürgers Johan Mathias, übernahm. Aus der Zeit zwischen 1761 und dem 1. März 1770 fehlen nähere Erkenntnisse. Dann wird er als Silberarbeiter Meister der ausländischen Juwelierwerkstätte in St. Petersburg in Russland. Dort bildet er einen seiner beiden Söhne, den 1756 geborenen Joachim Jakob Watty, zum Goldschmied aus. Dieser wird 1776 dort als Geselle genannt. Sein zweiter Sohn, Johann Georg Wilhelm Watty, geboren 1758 in Hamburg, beendet seine Goldschmiede-Lehre 1779 bei Meister Röwing ebenfalls dort. Georg Wilhelm, wie er in den Kirchenbüchern verzeichnet ist, liess in der dortigen St.-Michaelis-Gemeinde in der Kapelle des Kadettenkorps 1794 seine Tochter Sophia Friederika taufen. Er heiratete vor 1794 in St. Petersburg Maria Magdalena Beckmann.
St. Petersburg 1761
Abb.: St. Petersburg im Jahre 1761

Sein Vater starb kurz vor der Taufe seiner Enkelin am 14.1.1794 in St. Petersburg. Die Familie wohnte offenbar im kulturellen und kaufmännischen Mittelpunkt der damals noch jungen russischen Hauptstadt, auf der Wassilij-Insel in der Newa. Die Kirchenbucheintragungen stammen vom Kadettenkorps, einer Eliteschule für den russischen und skandinavischen Adel, die ebendort beheimatet war. In der Kapelle der Kadettenschule versammelte sich die ev. St.-Michaelis-Gemeinde, die erst im 19. Jahrhundert eine eigene Kirche errichten konnte. Aufgrund der damaligen Vorschriften für Friedhofsanlagen ist anzunehmen, dass Johann Heinrich Watty nicht mehr auf dem evangelischen 'Smolenskaja'- Friedhof in der Stadt begraben wurde, sondern bereits auf dem 1773 nahe dem Dorf Wolkowo ausserhalb der Stadtgrenzen neu eingerichteten 'Bredtfeldowo-Friedhof'.


Joachim Heinrich WattyDie in der einschlägigen Literatur durchgängig zu findenden Behauptung, Johan Henrich Watty wäre der Stammvater der seit 1822 bis etwa 1958 bestehenden Goldschmiede-Familie, muss durch die Ergebnisse der genealogischen Forschung korrigiert werden. Dieser Zweig stammt von seinem jüngeren Bruder, dem 1730 geborenen Johann Josef Watty, ab. Dessen Enkel, der 1787 geborene Joachim Heinrich Watty, arbeitete seit 1814 als Goldarbeiter und gründete besagte Firma im Jahre 1822 unter der Adresse "hinter St.Petri No.88". Nach einem Umzug der Werkstatt in die Grosse Johannisstrasse brennt diese im Grossen Stadtbrand 1842 völlig nieder. Familie und Geschäft kommen für einige Jahre bei Verwandten, dem Geldwechsler und Bankier Johann Georg Watty unter. Nach dem Tode von Joachim Heinrich behält seine Witwe sein Amt. Sein Sohn Johann Heinrich, bereits als Juwelier und Concessionist tätig, tritt schliesslich 1852 in sein Amt ein.
Tatsächlich hat sich das Goldschmiede-Handwerk der Watty's in Hamburg in der Folge gut etabliert und findet auch in der Literatur entsprechende Erwähnung. Immerhin konnte im Jahre 1911 die alte Wirkungsstätte abgebrochen und durch ein moderneres Kontorhaus ersetzt werde. Unter dieser Adresse ist die Firma bis 1933/34 verzeichnet.
Johann Heinrich Watty Der Firmeninhaber in dieser Zeit ist der 1891 in Hamburg geborene direkte Nachfahre des Gründers, Johann Heinrich Watty. Der hochdekorierte Weltkriegs-Offizier ahnte wohl, dies geht aus Familienberichten hervor, in welche Richtung Deutschland steuern würde und verlegte zunächst den Familien-Wohnsitz Ende der 20er Jahre in die Schweiz nach Corsier-Port am Genfer See. 1935 wandert er mit seiner Familie endgültig nach Amerika aus, gründete dort ein 2. Juweliergeschäft, kaufte ein Hotel, ein Appartement-Haus und ein Privathaus in Miami Beach, Florida.
Bei Kriegsausbruch 1939 hielt er sich mit seiner Familie in Hamburg auf, wo das Geschäft weiterhin bestand. Sein Sohn Johann Jakob Heinrich Watty war im September 1938 auf dem Ohlsdorfer Friedhof im Familiengrab beigesetzt worden. Dieser war einen Monat zuvor nach einer Wundinfektion im Alter von nur 12 Jahren in Miami verstorben. Kurz nach Ausbruch des II. Weltkrieges gelang der Familie die Ausreise über Holland auf dem Schiff der Holland-America-Linie 'Staatendam' nach New York.
Bis 1949 Aufenthalt in St. Louis, Missouri. Auch Hamburg besucht er nach 10 Jahren 1949 erneut, die Firma, 1944/45 in der Bergstrasse ausgebombt, existierte in Hamburg noch bis 1951, zuletzt in Eppendorf in der Loogestrasse. Anschließend Rückkehr nach Florida/ Ft. Lauderdale und erneute Gründung einer Goldschmiede-Werkstatt und Juweliergeschäftes (Watty & Son). Nach seinem Tod 1957 führte seine Ehefrau das Geschäft noch kurze Zeit fort. Der ebenfalls zum Goldschmied und Uhrmacher ausgebildete, 1926 in Hamburg geborene Sohn, Hans Ulrich Watty, war im väterlichen Betrieb nicht weiter tätig. So starb das Handwerk nach 215 Jahren in der Familie aus. Johann Heinrich wird 1957 in Hamburg im Familiengrab auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt.

215 Jahre Hanseatische Goldschmiede-Tradition...

Hamburger Teelöffelsatz nach 1889 Die Publikation ist am 01.03.2010 erschienen und schildert detailliert die Entwicklung des Gold- und Silberschmiedehandwerks in der Familie von 1743 bis 1958.
Hamburger Silber und Schmuck aus den Watty-Werkstätten findet sich in vielen Ecken der Welt. Es konnte verstreut in Deutschland und Europa und auch in Übersee lokalisiert werden. Der nebenstehende Tee-Löffelsatz (nach 1889) z.B. stammt aus einem Nachlass in Illinois/ USA. 2008 wurde auf einer russischen Website ein Jugendstil- Salatbesteck mit Standort Uruguay angeboten, das Etui-Signet o.lks. stammt aus Argentinien (Fundort - 2009).
Die Arbeit fasst den z.Zt. aktuellen Erkenntnisstand zusammen, enthält alle bekannten genealogischen Daten, korrigiert in der Fachliteratur wiederkehrende Fehler und ist zahlreich bebildert.